Jörg Wolf oder von der Karibik, der Lust auf Leben und das Schillern im Glas

Wölfe, so heißt es, leben in einem selbst gesteckten Revier. Jörg Wolf verhielt sich jedoch von Anfang an nie so, wie es die Familie gerne gesehen hätte. Der junge Wolf entschied sich bereits früh die Welt zu seinem Revier werden zu lassen. ‚Ich hab schon viel gesehen, bin weit herum gekommen‘, sagt er, ‚aber meine Wurzeln liegen in der Steiermark und zu denen bin ich wieder zurückgekehrt‘.

Wolf, Jörg. Kein Künstlername. In Eibiswald, Weststeiermark, aufgewachsen. Die Eltern führen bis heute die ‚Weinpresse Wolf‘, ein Lokal im Herzen des Schilcherlandes. Er ist eine steirische Spezialität, der Rotwein der so gar nicht richtig rot ist. Ein herber Bursche, gekeltert aus einer Wildrebe, der Blauen Wildbacher-Traube. Der Name ‚Schilcher‘ kommt von Schillern. Der Wein ist wie die Menschen. Herzlich, facettenreich, erdig, mit Ecken und Kanten. Die Wolfs kennt man in der Gegend. Der Vater keltert Schilcher für den Eigenausschank, die Mutter trägt den Beinamen ‚Singende Wirtin‘. Gastgarten, Stube, ein paar Gästebetten. Die alte Presse steht mächtig mitten im Lokal. ‚Wenn eine Gesellschaft zusammen gekommen ist, dann hat die Mama nach dem Kochen die Schürze abgenommen und sich die Harmonika umgeschnallt. Wir vier Kinder und der Vater haben dann oft auch mitgesungen und so war bei uns im Haus Musik immer ein Thema‘, erzählt Jörg. Die Mutter sie kocht, spielt und singt in ihrem Wirtshaus wie eh und je. Das Leben hat auch ihren Sohn Jörg heute wieder zum Singen zurückgebracht, dazwischen lagen aber die Welt und der Wunsch mehr davon zu sehen. Die Musik hatte daher Anfangs Pause.

Wolf, der Gasthaus-Bua, machte die Hotelfachschule, lernte bei Hoteliers in Bad Kleinkirchheim sein Handwerk um schließlich in den 80er die Koffer zu packen. Jörg und Kerstin, damals die Freundin, heute seine Ehefrau, ihnen war Eibiswald, überhaupt das kleine Österreich ein bissl zu eng geworden. Ab in die USA. Dort tagsüber die Sprache lernen und abends die Gäste bewirten. Mit sattelfestem Englisch gingen beide nach zwei Jahren aufs Schiff. Die ‚ SS Norway‘, einst in den 50ern unter dem Namen ‚France‘ als der längste Liner der Welt vom Stapel gelaufen, gehörte in den frühen 80ern der ‚Norwegian Caribbean Line‘, war vom Reeder zum Kreuzfahrtschiff umgebaut worden und schipperte mit zahlungskräftigen Gästen Richtung karibische Traumstrände. An Bord gab es viel Entertainment und auch die Disco ‚Dazzles‘. Dort und auf den anderen Bühnen wurde täglich Musik gemacht und ‚da hat es bei mir wieder angefangen, dieses Interesse am Musizieren‘. Der junge Wolf, der Kellner, der Bus-Boy, er war am Atlantik schaukelnd vom Showvirus infiziert worden. Jörg stellte sich dann und wann zu den Bands auf die Bühne, sang mit und hatte seinen Spaß. Nach 18 Monaten an Bord der ‚Norway‘ gab‘s zum ersten Mal Heimaturlaub aus dem die Eltern ihren Sohn nicht mehr zurück aufs Schiff ließen. Jörg Wolf blieb in der Steiermark, eröffnete in Graz die ‚Schilcher Stube‘ und stieg schließlich in andere Bereiche um und entwickelte sich zum erfolgreichen Geschäftsmann. Zuhause bei den Eltern half er ebenso immer wieder aus. Er war ein gut im Leben stehender und ebenso gut beschäftigter Mann. Eigentlich rundum zufrieden, aber trotzdem: irgendwie fehlte das etwas…

2006 dann das, was gerne als ‚Initialzündung‘ bezeichnet wird. Jörg machte sich Ende November selbst ein Weihnachtsgeschenk. In Graz erstand er ein Keyboard und begann damit zu CDs zu singen und zu spielen. Das Weihnachtsfest 2006 war auch der erste Auftritt vor der Familie und von da an, ging alles seinen natürlichen Weg. So wie es halt ist, wenn die Leidenschaft erwacht. Erste selbst komponierte Songs, Familie und Freunde machen Mut und klopfen auf die Schulter, Menschen mit den gleichen Interessen treffen auf einander, die ersten Plattenaufnahmen, das erste Mal im Radio. Jörg Wolf, der Newcomer der in der Lebensmitte stehend, für seine Musik zu brennen begonnen hatte. Er besuchte das Konservatorium um die Stimme zu schulen, lernte viel und begann das Showgeschäft zu erforschen. Auf seine Art, so wie er immer gemacht hatte. Nicht unterkriegen lassen. Im Sternzeichen Schütze geboren, ist er es gewohnt sein Ziel nicht aus den Augen zu lassen. ‚Ich bin ein Kämpfer‘, sagt er. Nachsatz: ‚Wenn ich eine Idee habe, dann setze ich diese um. Da bin ich schon sehr konsequent‘. Mit ‚Ich würd‘ es immer wieder tun‘ entdeckte das Radio den Herrn Jörg und setzte ihn auf die Playlist. Der deutsche Songschreiber und Producer Ekki Stein wurde auf Jörg aufmerksam, begann ihn zu coachen, nahm ihn unter seine Fittiche. Stein ist wahrlich kein Unbekannter in der Branche. Der Welthit ‚Sun Of Jamaica‘ stammt aus seiner Feder. Eine kongeniale Partnerschaft entwickelte sich. Ein Mann wie der Profi Stein, der fehlte Jörg Wolf bisher und nun lernte er täglich Neues um sich im harten Showgeschäft behaupten zu können.

2012 erscheint das zweite Album von Jörg Wolf. Titel: Lust auf Leben. Es ist sein erster Major-Deal. Mit Universal Music hat der Branchengrößte angebissen. Ein gutes Gefühl? ‚‘Ja, ein gutes Gefühl und deshalb auch der Album-Titel. Es soll den Menschen zeigen dass das Leben in jedem seiner Abschnitte Spaß machen und dass man Träume auch wahr werden lassen kann. Der Titel ist ein Bekenntnis zum Positivismus‘, erklärt Jörg und er selbst ist da wohl das Paradebeispiel dafür. In den vergangenen fünf Jahren hat er sich vom Anfänger zum gerne gehörten Newcomer entwickelt, ist von der Bezirksliga in die Landesliga aufgestiegen. Mehrere kleine TV-Auftritte hat er bereits hinter sich, singt heute beim ‚Nockalm-Fest‘ ebenso wie in Tirol bei den ‚Jungen Zillertalern‘. ‚Mein Ziel ist aber das eigene Orchester‘ und wenn Jörg das sagt, dann ist das gleichbedeutend dafür, dass er diesem Ziel entgegenstrebt und dieses längst kein Traum mehr ist. Die erste Gala mit dem eigenen Orchester stand bereits Weihnachten 2011 am Programm. Anderthalb Stunden Show. Zu hören waren einige Standards und Klassiker wie ‚My Way‘ und natürlich viele eigene Songs, darunter auch der im November 2011 erschienene Weihnachtstitel ‚1000 Engel‘.

Das Leben hat Jörg Wolf mehrfach kreuz und quer über den Globus geschickt, bis er wieder zurück in seiner steirischen Heimat gelandet war und die innere Stimme, die ihm immer wieder an seine Liebe zur Musik erinnerte, nicht mehr zu überhören war.

Es geht ihm da ein bisserl wie seinem Schiff, der ‚SS Norway‘. Die ist schließlich auch wieder in die ursprüngliche Heimat, nach Frankreich, zurückgekehrt. Der abgeschnittene Bug steht heute, mit einem Teil der Reling an einem Ufer der Seine in Paris und erinnert an das stolze Schiff. Die ‚France‘ hat ihr zweites Leben als ‚ SSNorway‘ erfolgreich gelebt, für Jörg Wolf beginnt es gerade. Die Familie steht felsenfest hinter ihm und wenn er auf Reisen ist, dann ist Kerstin der Heimathafen. Sie kümmert sich um seine Karriere, hält ihm den Rücken frei und ist Garant dafür, dass die Lust auf Leben nicht in Frust umschlägt. Aber da droht dem chronisch positiven Menschen Jörg Wolf ohnehin keine Gefahr. ‚Es gibt kein Aufgeben‘, sagt er und wälzt im Kopf schon wieder neue Pläne: ‚Ziele, man muss Ziele haben im Leben und die gilt es zu erreichen. Mein Ziel ist es, eine tolle Show abzuliefern und Menschen mit meiner Musik zu begeistern‘. Ein Lied von Jörg Wolf heißt: ‚Brauch kein Schicksal aus den Karten, nehm es einfach in die Hand‘. Kerstin und Jörg haben es gemeinsam geschrieben. Es klingt wie eine Gebrauchsanweisung des Lebens von Kerstin und Jörg.

-az-

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